Für mich war immer klar: ich möchte auf jeden Fall studieren. Zuerst habe ich allerdings etwas „Vernünftiges“ gelernt, nämlich Handelsassistentin. Mein großer Wunsch war aber immer eine Stelle in der Personalentwicklung, auf die ich hingearbeitet habe. Das war nur mit meiner Ausbildung aber nicht so leicht zu realisieren. Dann kam der Kinderwunsch dazwischen und mit diesem dann auch meine Tochter! Das Studium geriet also erst einmal in den Hintergrund. Als sich abzeichnete, dass ich nach der Elternzeit nicht mehr in meinen alten Beruf zurückwollte, habe ich einen Plan B aufgestellt und beschlossen: ich gehe das mit dem Studium noch in der Elternzeit an. Meine Tätigkeit als Filialleitung war zwar in Ordnung, aber von Anfang an als Übergangslösung gedacht und die Arbeitszeiten waren für mich nicht mit meiner Vorstellung von Familie vereinbar. Deswegen wollte ich diese „Auszeit“ unbedingt nutzen, um den für mich perfekten Studiengang zu finden und das Studium zu beginnen. Mein Wunschstudiengang wird in meinem Bundesland nur über einen Fernstudiengang angeboten, was ein Grund für das Fernstudium war, der andere war die zeitliche Flexibilität. Aktuell bin ich jetzt im dritten Semester und studiere Wirtschaftspsychologie, und mit dieser Wahl bin ich auch sehr glücklich!

Was war anfänglich deine größte Sorge?

Tatsächlich war es weniger die Angst, dass ich den Stoff nicht verstehen würde oder die Inhalte meines Studiums zu schwer sein würden. Sondern ich hatte am meisten die Sorge, dass meine Tochter zu kurz kommen würde und ich ihr nicht gerecht werden würde! Als ich mit dem Studium angefangen habe, war sie gerade ein halbes Jahr alt und brauchte natürlich noch viel Aufmerksamkeit. Ich wollte diese „egoistische“ Entscheidung nicht auf ihrem Rücken austragen.

Wie hast Du diese Sorge beseitigt?

In meinem Fall kann ich mich wirklich glücklich schätzen, denn ich habe die vollste Unterstützung meines Verlobten. Das Fernstudium bedeutet nicht nur für mich eine Menge Aufwand, sondern es ist natürlich auch Zeit, die für die Familie wegfällt. Die Stunden, in denen ich abends und am Wochenende lerne, kümmert er sich um unsere Tochter, was natürlich auch die Papa-Kind-Bindung stärkt. Die beiden sind nun ein eingeschweißtes Team und ich habe bisher auch nicht das Gefühl, dass ihr etwas fehlt. Das weiß ich sehr zu schätzen und das hat meine Zweifel beseitigt.

Wie flexibel ist ein Fernstudium in den Alltag mit einen Baby / Kind zu integrieren?

Das ist natürlich der absolute Vorteil eines Fernstudiums – ich kann selber entscheiden, wann ich wie lange lerne. Es gibt keine Vorlesungszeiten, an die ich mich halten muss, und die Präsenztage in meinem Studium sind auch überschaubar. Gerade zu Beginn, wenn die Kinder noch sehr klein sind und viel schlafen, kann man diese Zeit effektiv nutzen, um zu lernen. Der Tag richtet sich hauptsächlich nach dem Kind. Je größer sie werden, umso schwieriger wird es natürlich, da auch die Schlafenszeiten immer weniger werden. Ich würde hier unbedingt auf eine Kinderbetreuung zurück greifen, wenigstens stundenweise, um den Lernstoff optimal durcharbeiten zu können.

Wie hast Du dich organisiert um trotz Baby erfolgreich im Fernstudium zu sein? Wie sah dein Zeitmanagement aus?

Meine Tochter hält zum Glück einen sehr regelmäßigen und langen Mittagsschlaf, den ich für meine Lernphasen nutze. Dabei bin ich aber auch besonders konsequent und arbeite in diesen drei Stunden auch wirklich ausschließlich am Studium und lasse mich durch nichts ablenken. Haushalt oder ähnliche Dinge werden auf den Nachmittag gelegt. Ich habe mir einen groben Zeitplan für das Semester gemacht und auch diesen noch feiner zergliedert, so dass ich genau weiß, was ich am Tag zu tun habe. So vermeidet man, dass man sich erst noch einen Überblick schaffen muss und dadurch Zeit verliert. Oft setze ich mich auch abends noch hin, besonders wenn Klausuren anstehen. Dabei achte ich aber darauf, dass ich nicht zu lange daran arbeite – damit ich am nächsten Tag auch wieder fit bin und genügend Schlaf bekomme. Nur so funktioniert das für mich auf Dauer. Ab Mai geht meine Tochter allerdings auch für fünf Stunden täglich in die Krippe, und damit habe ich ausreichend Zeit für das Studium, und nachmittags auch noch genügend Zeit für mein Kind.

Ist es, deiner Meinung nach, sogar sinnvoll die Elternzeit für eine Weiterbildung / ein Fernstudium zu nutzen?

Absolut! Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass alles, was der Mama gut tut und sie weiterbringt, auch der Familie bzw. den Kindern nützt. Sicher sind die Kinder in der Elternzeit noch klein, aber es geht auch super mit dem Papa und vielleicht auch den Großeltern. Die Elternzeit ist sowieso ein komplett neuer Lebensabschnitt, der viele Veränderungen mit sich bringt. Und auch wenn der Alltag mit Kind wunderschön ist, tut es mir persönlich auch gut, nochmal eine andere Art von Input zu haben und den Kopf mal wieder richtig anzustrengen! Dieser Ausgleich kommt dann ja auch dem Kind zu Gute.

Welche Tipps möchtest Du den (werdenden) Eltern für ihr Fernstudium geben?

Ich finde es ganz wichtig, erst einmal abzuwarten, was für eine „Art“ von Kind man bekommt. Die Entscheidung, ein Fernstudium zu beginnen, das über mehrere Jahre geht und auch finanziell einen großen Aufwand bedeutet, sollte man nicht übers Knie brechen, sondern sich Zeit dafür nehmen. Bei mir verging ein halbes Jahr, bevor ich mich dazu entschlossen habe. Hat man ein sehr „zeitintensives“ Kind, dass viel Aufmerksamkeit benötigt und nicht so pflegeleicht ist, sollte man vielleicht noch einmal drüber nachdenken und das erst später angehen. Auch die Unterstützung des sozialen Umfelds, vor allem des Partners, ist für mich ein sehr wichtiges Kriterium. Alle Familienmitglieder müssen wissen, worauf sie sich einlassen – auch eventuelle Betreuung durch die Oma oder ähnliches muss dabei vorher geklärt sein, damit genug Zeit für das Lernen ist. Ideal ist natürlich eine gesicherte Betreuung im Kindergarten oder der Krippe, die man dann für das Studium nutzen kann. Das muss auch finanziell durchgerechnet werden. Insgesamt finde ich aber auch, dass man nicht zu verbissen an das Ganze herangehen sollte – denn die Familie sollte immer das Wichtigste bleiben, und in Phasen ohne Klausuren kann man die Bücher auch mal ein Wochenende liegen lassen und Zeit mit der Familie verbringen.

Einige Eltern trauen sich – auf Grund ihrer Kinder – nicht an ein Fernstudium. Kannst Du interessierten Personen mit Kind / Baby ein Fernstudium weiterempfehlen?

Hier ein uneingeschränktes Ja! Ich bin fest davon überzeugt, dass man das sonst bereuen würde. Es gibt die Möglichkeit bei einigen Anbietern, in Teilzeit zu studieren – so hat man noch genug Zeit für die Familie. Das mache ich, und es funktioniert wirklich gut. Auch glaube ich, dass so ein Fernstudium immer eine Investition in sich selbst ist – und das kommt auch der Familie und den Kindern zu gute. Man arbeitet viel effektiver und ist am Ende stolz auf das, was man geschafft hat. Abgesehen von den beruflichen Perspektiven, die sich dabei eröffnen, denn wer ein Fernstudium mit Kind erfolgreich abgeschlossen hat, der war über viele Jahre ehrgeizig und hat hart dafür gearbeitet. Ich jedenfalls habe mein Fernstudium noch keine Sekunde lang bereut… ich freue mich sogar, meiner Tochter in dieser Hinsicht ein Vorbild sein zu können. Und ich hätte es nie gedacht, aber ich setze mich sogar jeden Tag gerne an meine Unterlagen. Für mich war es die absolut richtige Entscheidung.

Vielen Dank für deine Antworten und weiterhin viel Erfolg auf ganzer Linie.

Über den Autor:

Fernstudium trotz Baby - Angelika GieronIch bin Anni, 26 Jahre alt und schreibe auf meinem Blog hello-annie.co über all das, was mich bewegt und mein Herz höher schlagen lässt. Mit dem Bloggen habe ich Anfang 2015 begonnen, um ein Ventil für die größte Veränderung in meinem Leben zu haben –  meine Schwangerschaft und die Geburt unserer Tochter. Seitdem ist aus dem kleinen Hobby eine große Leidenschaft geworden. Aus diesem Mama-Blog wurde Stück für Stück ein bisschen mehr und seit ich im Herbst 2015 noch in der Elternzeit ein Fernstudium begonnen habe, findet auch dieses Thema Platz auf meinem Blog. Ich möchte über alles, was mich bewegt sprechen – die schönsten Dinge zeigen, wunderbare Momente teilen, inspirieren, motivieren und ambitionieren für ein wundervolles Leben.

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